Worauf ihr beim Kauf des ersten Kites achten solltet

Ein gebrauchter Kite: Best Bularoo 2007

Der erste Kite soll her? Eine Kiteausrüstung? Wie teuer wird das und was müsst ihr beachten? Hier sind ein paar Tipps zum Kauf und Dinge, die ihr vermeiden solltet.

Kauft kein Material!

...bevor ihr einen Kurs gemacht habt. Egal ob neues oder gebrauchtes Material. Und vor allem nicht online. Marktplätze im Internet können eine Fundgrube sein, aber sie sind auch Tummelplatz für geschäftstüchtige Verkäufer, die Kram an (noch) Ahnungslose verkaufen. Mit Kram meine ich altes, defektes und untaugliches Material. Enttäuschte Gesichter, weil euch die Kiteschule eures Vertrauens später sagt, dass der Kite bestenfalls für die Produktion einer Umhängetaschen taugt – spart euch das.
Neue Kites, die euch auf Anfrage als "das Beste" beworben (und zum höchsten Preis verkauft) werden. Kites, die man frühestens nach 2 Jahren Erfahrung annähernd ausreizen kann – spart euch das.

Macht einen Kurs!

In Deutschland besteht keine generelle Kurspflicht. Die Möglichkeit, sich selbst und andere in Gefahr zu bringen, ist aber ziemlich groß - gerade am Anfang. Ein Kurs ist günstiger, als mit Freunden 10x ans Meer zu fahren, um es von einem Kumpel gezeigt zu bekommen. Die Schulung in einer Gruppe Gleichgesinnter ist unheimlich motivierend. Ihr bekommt von der Schule immer das passende Material und ein erstes Gefühl für unterschiedliche Kitegrößen und -systeme.

Beim Kauf nichts überstürzen.

Lasst euch nicht von "Angeboten" überrumpeln, jetzt sofort kaufen zu müssen. Nach jedem tollen Angebot kommt auch wieder ein neues. Deutschland hat seit Jahren vergleichsweise günstige Preise für neue und gebrauchte Kites. Es herrscht ein Überangebot, man kann ganz in Ruhe auswählen. Manche Leute schwören darauf, am Ende einer Saison zu kaufen. Ich sage: kauft, wenn ihr einen Kite braucht und nicht "auf Vorrat".

Neue Kites und das Marketing

Lasst euch von Neuvorstellungen nicht verrückt machen. Große Marken bringen im Jahresrhythmus neue Modelle eines Kites heraus. Der Zyklus der Produktneuvorstellungen beginnt Mitte des Jahres für das Folgejahr. Modelle werden von den Herstellern strategisch bis zu drei Jahre im Voraus geplant und entwickelt. Diese "Weiterentwicklungen" der Flugeigenschaften zwischen zwei Modellen sind bisweilen nur marginal. Oft sind es gar nur leichte Variationen (z.B. der Farbe), die ein neues Modell im Marketing rechtfertigen sollen. Der Druck der Firmen, neue Modelle auf den Markt zu bringen, führt auch schon mal zu Verschlimmbesserungen. Fragt mal jemanden, der bereits länger als 5 Jahre kitet, in welchen Jahren seine Lieblingsmarke gute und nicht so gute Kites gebaut hat – und staunt.

Bitte nicht falsch verstehen, ich mag neue Kites und deren Weiterentwicklungen. Doch nicht jeder neue Kites ist automatisch besser, als sein Vorgänger. Der Vertrieb einer Kitemarke und deren Testfahrer sehen das naturgemäß anders.
Zu alt sollte der Erwerb dann aber auch nicht sein, da es zwischen 2006 und 2008 einen großen Sprung im Bereich der Sicherheit des Materials gab.

Glaube keinem Test zu 100 Prozent.

Ich möchte keinem Tester Unrecht tun. Doch leider gibt es nur wenige objektive Berichte über Kite-Material im Internet und in den Magazinen, die als Kaufentscheidung für Erstkäufer taugen. Meist steckt eben das Interesse dahinter, das besprochene Produkt zu verkaufen. Oder der Schreibende wird in irgendeiner Form dafür bezahlt/entschädigt, den Test zu schreiben. Da er das auch im nächsten Jahr noch tun möchte, kann man selten einen objektiven und gut geschriebenen Verriss lesen. Was aber zum Teil auch daran liegt, dass die großen Marken ihre Hausaufgaben gemacht haben. Es geht um Nuancen.

Vertrauen

Was ihr euch statt eines ersten Internet-Schnäppchens suchen solltet: Jemand, dem ihr vertraut und der den Sport schon länger macht. Jemand, der kein bedingungsloser Fanboy einer Marke ist und daher gebrauchtes und neues Material unaufgeregt mit euch bewerten kann. Jemand, der euch auch mal beiseite nimmt, wenn ihr mit leuchtenden Augen die angelesenen Vorteile der neuesten Kitegeneration aufsagt.

Meist bleibt es nicht bei der Anschaffung eines Kites :-)
Meist bleibt es nicht bei der Anschaffung einer Kiteausrüstung :-)

Der richtige Händler

Einen wirklichen Preisvergleich für Kites im Internet gibt es nicht. Jedenfalls nicht in der Art, wie man es für Elektronikartikel kennt. Es bringt daher mehr, mal im Kite-Shop oder in der Kiteschule nachzufragen.
Bei allem Trend zum Online-Kauf: sucht euch einen Händler eures Vertrauens (bei dem ihr ja dann online bestellen könnt). Dieses Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Ein Kunde, der gut und fair behandelt wird, kommt wieder. Und ihr kauft gern bei jemandem, dessen Prognosen sich als richtig erwiesen haben. Und dann gibt es vielleicht auch den einen oder anderen "Treuebonus" vom Händler.
Sicher macht jeder gern Schnäppchen. Aber tut euch und dem ehrlichen Händler einen Gefallen und entsagt der "Geiz-Ist-Geil" Mentalität. Zahlt auch mal 50 EUR mehr für einen Kite, für den euer Händler dann auch das passende Ersatzteil auf Lager hat. Und mit dem er sich auskennt. Schätzt diesen Service und feilscht nicht um den letzten Cent. Support your local Dealer!

Wieviel kostet eine Kiteausrüstung?

Hier ein paar Richtwerte, die im Detail abweichen können:

  • Schulung: 250 EUR
  • Kite: 800 - 1200 (neu: 1200 - 1600+) EUR
  • Kiteboard: 300 - 500 (neu: 400 - 800+) EUR
  • Neoprenanzug: 140 - 400+ EUR
  • Trapez: 140 EUR
  • Helm: 70 EUR
  • Prallschutzweste: 70 EUR

Das macht im günstigsten Fall also knapp 1800 EUR. Diesen Betrag sollte man zu Beginn einplanen.
Doch ich muss euch "warnen"! :-)
Wenn euch das Kitefieber packt, wird es nicht dabei bleiben. Das zweite Brett und der zweite Kite sind nur eine Frage der Zeit (Drei Kites sind üblich). Ein dickerer (und damit wärmerer) Neoprenanzug für die kälteren Tage mit Schuhen, Haube und Handschuhen streben in euren Besitz. Die Fahrten ans Wasser wollen bezahlt sein und wenn man erstmal soweit ist, sind Gedanken an ein geeignetes Gefährt nicht mehr weit entfernt.

Noch(mal) ein paar Tipps:

  • Finger weg von Ebay&Co, bevor ihr einen Kurs gemacht habt.
  • Kauft kein Material, das älter als 4 Jahre ist.
  • Besteht auf eine funktionierende Safety, mit der der Kite komplett ausweht.
  • Besteht auf eine definitv passende Bar. Und keine, die "passen müsste".
  • Der erste Kite ist ca. zwischen 9 und 12 qm groß, je nach Gewicht des Fahrers und Revier.
  • 1800 EUR sollte man "übrig" haben, wenn man eine Erstausrüstung kaufen will.
  • Kein Mensch kennt alle Kites/Marken. Tests sind subjektiv.

Am Strand wird viel geredet, erinnert euch irgendwann einfach an diesen Spruch:

Der beste Kiter ist nicht der mit dem "besten" Material oder den krassesten Tricks. Der beste Kiter ist der mit dem meisten Spaß.

Viel Spaß auf dem Wasser! :-)

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Dieser Text von Ronald "shibby" Krentz steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.