boardway

Kitesurfen in Wellen

Da saß ich also, auf meinem Arsch im Weißwasser der Brandung, drei Meter vom Sandstrand entfernt. Völlig ausgepowert zwar, aber noch keinen Meter am Stück gefahren. Den Kite auf elf Uhr geparkt. Ich hielt mich für einen soliden Kitesurfer, aber in dem Moment kam ich mir wie ein blutiger Anfänger vor, der sich am einfachen Losfahren abrackert.

Strand in Hvide Sande. 40+ Knoten Wind.
Foto: Strand in Hvide Sande. 40+ Knoten Wind.

In der Vergangenheit hatte ich gelernt, den Kiteschirm zu steuern und das Brett zu kontrollieren, gegen den Wind Höhe zu fahren. Mich in Sicherheit zu bringen, wenn es sein musste. Ich hatte gelernt, dass die Natur den Ton angibt, in der ich nur zu Gast bin. Der ich nicht meinen Sport aufzwingen kann und auch nicht die Art, wie ich fahre. Ich hatte auch gelernt, dass der Wind je nach Richtung und Stärke aus jedem Spot wechselhafte Spielplätze erschafft, die man mit anhaltendem Respekt erkundet.

Nun also eine neue Dimension. Das Wasser keine Fläche, sondern ein Gelände. Eine Landschaft, die lebt. Und als ich dort saß, erschienen mir die Wellen im Rücken tatsächlich wie Wände aus Wasser. Unüberwindbar, auch wenn sie tatsächlich nur einen Meter hoch waren.

Und trotzdem der Beginn einer großen Leidenschaft: Kitesurfen in Wellen.
Ich habe ausprobiert, wie man durch die Brandung kommt, wann man losfährt und wann man besser umkehrt. Wie man Wellen liest und erkennt, ob sie brechen. Meine höchsten Sprünge habe ich mit Unterstützung durch Wellen erlebt. Meine schlimmsten Waschgänge auch. Ich habe es gehasst. Und doch habe ich es immer wieder geliebt. Mit den Wellen zu fahren und nicht gegen sie.
Nach einem Tag in den Wellen abends ausgepowert und satt vor dem Kamin zu sitzen und mit freiem Kopf ins Feuer zu schauen, gehört mit Sicherheit zu den schönsten Momenten dieses Sports.

Strand von Søndervig
Foto: Strand von Søndervig

Diese Faszination suche ich immer wieder und möchte versuchen, sie weiterzugeben. Nicht nur die Technik, um in Wellen zu "überleben", sondern vielleicht auch ein wenig mehr. Deshalb fahre ich im Oktober 2012 mit Boardway nach Dänemark an die Nordsee. Vielleicht sieht man sich ja... in den Wellen.

Strand Chillout

Kite in den Mai 2012

Saisonstart in den Mai. Von Boardway zu den Kitenoobs zurück zu Boardway. Eine tolle Woche mit Puschkin.

Wie wir doch noch kitesurfen waren

Es hatte einige Wochen gedauert, bis der bei ebay gekaufte Motor endlich eingebaut war. Und das mitten im Sommer! Ob es an der Limousine Luise liegt, kann nur spekuliert werden. Diese Stretch-Limousine, die gefühlt die Länge von drei T3 hat, war schon ziemlich beeindruckend, doch am Ende meines Besuches bei der Werkstatt hatte ich nur Augen für Puschkin. Und der "neue" Motor (generalüberholt) schnurrte wie eine Nähmschine. Zufrieden fuhr ich nach Hause.

Die Vorhersage für das Wochenende war eindeutig: Freitag abend, Samstag vormittag Wind, also am Freitag ab nach Loissin zum Boardway. Und so machten wir uns auf den Weg: Anna, Laika, Puschkin und ich. Wir spekulierten über die Haltbarkeit eines neuen gebrauchten Motors, der uns im September noch an die französische Atlantikküste bringen sollte. Innerlich dankte ich Corry, die mir bei der Recherche nach einem Motor sehr geholfen hatte.

Trotz Südwind (Rückenwind) erreichten wir nicht die Höchstgeschwindigkeit, die ich vom alten Motor gewohnt war. Vor meinem geistigen Auge sah ich uns bereits vollbeladen französische Küstenberge erklimmen und erschnaufen. Den ursprünglichen Plan, bereits am Freitag Abend vor Einruch der Dunkelheit aufs Wasser zu kommen, hatten wir zugunsten einer entspannten Hinfahrt bereits verworfen. So konnte ich dem Motor eine gefühlte Einarbeitungszeit verordnen und trat ihn nicht bis zum Anschlag durch.

Kurz nachdem wir die A20 hinter dem Kreuz Uckermark erreichten, bemerkte ich ein Pfeifgeräusch von hinten. Der Motor! Schreck! Noch bevor realistisch eine Chance blieb, das Geräusch zu orten oder gar eine Dringlichkeit abzuleiten (Puschkin macht viele Geräusche, wenn der Tag lang ist) und präventiv irgendwas zu tun, sah ich im Rückspiegel eine schwarze Rauchwolke. Motor aus, Warnblinklicht, Standstreifen, nichts geht mehr. Was für ein Déjà-vu. Erst Ende Mai war ich genauso auf der A20 kurz vor Rostock liegen geblieben. Zu einer ADAC Plus Mitgliedschaft kann ich jedenfalls nur jedem Bulli-Fahrer raten.

Warndreieck, Warnweste, Anruf beim ADAC und schon bald froren wir bei stetem Westwind dem Abschleppunternehmen entgegen. Motor-Laie, wie ich es nunmal bin, spekulierte ich, was es denn gewesen sein könnte, die Symptome deuteten auf einen ähnlichen Schaden hin, dem Zahnriemen. Dieser war jedoch intakt und zusammen mit dem Abschleppmann entdeckten wir, dass sich ein Schlauch des Kühlsystems gelöst hatte, wodurch sämtliches Kühlwasser entwoch und der Motor heiß gelaufen war.

Huckepack ging es ein paar Dörfer weiter zur Werkstatt. Während ich den Schriftkram erledigte, schickte Anna das Hündchen über die Wiesen und packte die Sachen zur Weiterfahrt mit dem Mietwagen. Ein Polo schien uns ein adäquater Ersatz für einen ausgebauten T3 zu sein. Nicht. Zumindest passte augenscheinlich alles nötige hinein.

Plan B: da unser Bett nun in Puschkin im Nirgendwo zwischen Berlin und Greifswald stehenblieb, entschieden wir uns, statt nach Loissin auf den Campingplatz, zu meinen Eltern nach Rostock zu fahren. Und Samstag für einen Tagestrip nach Saal am Saaler Bodden. Gesagt getan, die Fahrt verlief gut und nach 5 Stunden Schlaf standen wir um 7:45 Uhr am Spot Saal.

Die gesamte Wiese war so nass, dass sie nicht befahrbar war. Wir fanden ein letztes Plätzchen auf dem Wendehammer und in Erwartung baldiger Flaute sprong ich in den Neoprenanzug, während erste Kiter mit 9er Kites guten Druck hatten. Der 11er schien mir folglich das geeignete Spielzeug zu sein. Da wir die Pumpen im Bus ließen, war ich froh, dass andere bereits aufbauten, da ist so eine Pumpe schnell geliehen, um... um... ORRRRR! Ein Blick in den Kofferraum: Die Kites liegen noch im Bus. Epic Fail! Als wäre das alles nicht schon schlim genug gewesen, haben wir uns also selbst ausgetrickst.

Beide Kiteschulen machten noch einen verschlafenen Eindruck und auch Bernd - potentieller Retter in der Not - war telefonisch noch nicht zu erreichen. Die Ausssicht, mit Kompromissmaterial (wenn überhaupt) an einem Spot, der außer einer Matschwiese zu dem Zeitpunkt nichts zu bieten hatte, ließ unsere Laune in den Keller sinken.

Was nun folgt, ist im Grunde reine Kausalität. Wir fassten unsere Gesamtsituation zusammen: Kein T3 mit Koch- und Schlafmöglichkeiten, stattdessen ein fast neuer flinker Polo, keine Kites, umgezogen im Neoprenanzug stehen wir auf einer Matschwiese in der Mecklenburger Pampa zwischen Rostock und Greifswald. Also: weiter! Ab nach Greifswald, unserem ursprünglichen Ziel. Trotz 24 angekündigter Schüler an diesem Samstag und einer Kitelehrercrew, die zur Hälfte beim Worldcup in St. Peter Ording weilte, rechneten wir uns mittlere Chancen aus, den einen oder anderen Kite zu leihen und einen heißen Kaffee zu trinken.

Die B105 ist ja zum Glück nicht mehr das, was sie mal war und so waren wir kurz vor 10 Uhr am Boardway. Und endlich wurden wir belohnt: Thilo bot uns seine eigenen Schirme zum spielen an und ich entlieh von der Schule einen Speed3 mit 15m². Das hat uns den Tag gerettet. Vielen Dank dafür! Am Ende hatte ich sogar die Ruhe für ein paar Schnappschüsse.

Nach drei ausgiebigen Sessions fühlten wir uns k.o. genug, um rechtzeitig nach Rostock an den elterlichen Grill zurückzukehren. Auch das tat richtig gut.

Dass Laika meine Eltern, die es sonst nicht so mit Hunden haben, einigermaßen begeistert hat, ist mindestens noch eine Randnotiz wert. Im Haus hat man das gut erzogene Tierchen jedenfalls kaum bemerkt.

Nun heißt es: Puschkin in der Werkstatt und wir drehen eine neue Runde zum Thema Motorerneuerung. Bleibt spannend.

Boardway On Tour - Spanien 2006

Manche Dinge müssen wohl einfach passieren. So kam es Ende 2006 dazu, dass ich neben der Begeisterung fürs Kitesurfen auch gleich ein paar Wochen "frei" bekam.

Jan-Tjark und Matthias von Boardway waren schon mit dem Bus "Herz aus Gold" vorgefahren. Ich flog nach Barcelona wo die beiden mich einsammelten. Wir fuhren an der Mittelmeerküste gen Süden. Das große Ziel war Tarifa, aber irgendwann beschlossen wir, dass entspannte Tage am Wasser mit Kiten und Skat spielen mehr bringen, als nächtelang auf der Autobahn Diesel zu verbrennen. Auf dem Rückweg haben wir einen Abstecher nach Holland zum "Kite-And-Grill (KAG)" gemacht. Das war eine meiner schönsten Erfahrungen, von der ich heute noch zehre. Mathias hat anschließend ein Video geschnitten und dank Vimeo kann man es mittlerweile auch online anschauen. Film ab! (Bilder gibts unter dem Film)

Syndicate content